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Interessantes zum Wappen vom Helm M1886 der königlich bayerischen Armee

Im "Militar-Wochenblatt Nr. 103" aus dem Jahres-Sammelband 61 von 1886, stand ein interessanter Artikel über die Einführung des neuen Helm-Modells M1886 in Bayern (Bild 1). Anders als bei den meisten anderen deutschen Staaten, wurde die Pickelhaube für den Großteil der bayerischen Armee erst im September dieses Jahres eingeführt. Bis dahin trugen nur die Landwehr, die Gendarmerie, die damals dem Militär zugehörig war, oder die beiden schweren Reiter-Regimenter eine dem preußischen Muster ähnliche Pickelhaube. Erstmals wurde die Pickelhaube in Bayern am 26.9.1848 für die Landwehr eingeführt.1 Diese hatte ein gekröntes bayerisches Wappenschild, umgeben von Lorbeer- und Palmenzweigen, als Helm-Emblem. Am 7.6.1856 folgte die Einführung einer Pickelhaube für die Gendarmerie2, die das königliche Namens-Chiffre als Emblem am Helm hatte. Es war ein gotisches „M“ mit Krone, für König Maximilian II. Beide konnten jedoch mit den höchst kleidsamen Emblemen der anderen deutschen Staaten längst nicht mithalten. Auch die Pickelhaube der schweren Reiter, die den Helm seit dem 1.4.1879 trugen (eingeführt wurde er aber schon mit der Verordnung vom 29.11.1878) hatten nur ein Namens-Chiffre am Helm. Zu dieser Zeit regierte jedoch schon König Ludwig II., darum war es hier ein gotisches „L“ mit Krone. Erst mit dem Gendarmerie-Helm M1873 (am 6.9.1873 eingeführt3, aber erst am 10.11.1873 vom bayerischen Kriegsministerium abgesegnet4) wurde eine bayerische Pickelhaube vorgestellt, dessen Helm-Emblem dem M1886 schon sehr ähnelte, jedoch noch etwas schlichter war.

Bild 1 (Quelle: Militär-Wochenblatt Nr. 103 - Band 61 von 1886 - https://books.google.de)

Nun aber zurück zum Artikel. In diesem werden die Künstler genannt, die das neue und prächtige Wappen der bayerischen M1886-Helme entworfen und selbiges in den Stahl der Pressformen geschnitten haben. Die bayerische Regierung ließ sich dafür nicht lumpen, denn laut Artikel wurden für diese Arbeit die besten Künstler ihrer Zunft beauftragt.

Der Entwurf des Helmwappens stammte vom Bildhauer ANTON PRUSKA (1.6.1846 - 24.7.1930 - im Artikel fälschlich als BRUSKA erwähnt), der ein Schüler des bekannten Münchener Bildhauers LORENZ GEDON (24. 11.1844 - 27.12.1883) war. Dieser Entwurf wurde dann von einem Graveur namens Hormann, mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Hof-Graveur RUDOLF HORRMANN (28.8.1846 - ??? - im Artikel leider ebenfalls falsch geschrieben) in den Stahl des Pressform-Rohlings geschnitten, womit dann das Emblem der bayerischen M1886-Helme geprägt werden konnte.

Das Helm-Emblem wurde von Anton Pruska ganz nach den Regeln der Heraldik modelliert. Die Schildhalter sind 2 wunderschön ausgearbeitete, bayerische Löwen mit Krone. In ihren Pranken halten sie den ovalen Hauptschild, der mit einer großen Krone des bayerischen Königshauses gekrönt wurde. Wie bereits erwähnt ähnelte die Wappen-Vorlage, die Pruska verwendet hat, dem Helm-Wappen des Gendarmerie-Helmes M1873. Die Idee des Wappens wurde jedoch schon im Jahr 1835 von König Ludwig I. erdacht und als offizielles bayerisches Wappen  eingeführt (Bild 2). Die 2 Schwänze der Löwen sollen übrigens ursprünglich einmal durch einen Fehler eines Petschaft-Stechers entstanden sein, den dieser dann phantasievoll kaschiert hat.5 Doch das ist nur eine kleine Anekdote.

Bild 2 (Quelle: Regierungsblatt für das Königreich Bayern von 1835, Seite 889 - www.books.google.de)

Der ovale Hauptschild war viergeteilt, wobei jedes Feld für ein Hoheitsgebiet stand, das dann im Königreich Bayern aufgegangen ist.6

  • Oben Links der Löwenschild des Pfalzgrafen bei Rhein, das seit 1214 von den Wittelsbachern, dem Geschlecht derer „von Bayern“, geführt wurde. Die horizontal und vertikal verlaufende Kreuz-Schraffur im Hintergrund dieses Feldes steht in der Heraldik für die schwarze Farbe. Der Löwe darauf hat keine Pocken, vielmehr stehen die Punkte auf seinem Fell in der Heraldik ebenfalls für eine Farbe, nämlich die Goldene.
  • Rechts daneben, für die Franken, der „Fränkische Rechen“. 3 silbernen Spitzen auf rotem Grund, wobei das Rot in der Heraldik mit einer vertikalen Schraffur dargestellt wird. Silber hingegen hat, wie auch die weisse Farbe, in der Heraldik kein Muster.
  • Unten Links das schwäbische Abzeichen, bestehend aus mehreren diagonalen Balken, abwechselnd in Silber und Rot. Darauf ein senkrechter, goldener Pfahl, der dem Wappen der Markgrafschaft Burgau in Schwaben entsprang.
  • Unten Rechts der „Veldenzier Löwe“, ein blauer Löwe mit goldener Krone auf silbernem Grund. Dieser stammt vom Wappen der Herzoge von Zweibrücken. Die blaue Farbe des Löwen wurde durch eine horizontale Schraffur dargestellt, welche leider bei vielen Wappen nicht gut zu erkennen ist. Es sind manchmal auch kleine Punkte auf der Krone, für die goldene Farbe, sie sind aber sehr klein und nicht immer vorhanden. Sie waren wohl zu schwer in der Pressung zu realisieren.
  • Mittig über dem ovalen Hauptschild schwebte der Herzschild mit den diagonal verlaufenden bayerischen Rauten, abwechselnd in Silber und Blau (wagerechte Schraffur). Dies war und ist das ur-bayerische Symbol.
Bild 3 - Bayerisches Helm-Wappen M1886

Der Wahlspruch „IN TREUE FEST“ war seit Anfang des 19. Jahrhunderts, als Bayern und Europa sich von der napoleonischen Fremdherrschaft befreite, das Motto der bayerischen Armee. Seinen Ursprung hatte der Spruch jedoch schon sehr viel früher, es war bereits das Motto des im Jahr 1444 gestifteten St. Hubertus-Orden des Herzogtums Jülich-Berg.7

Die sich unter dem Hauptschild kreuzenden Lorbeer-Zweige entstammen wiederum der Wappenbeschreibung von 1835, wo Lorbeer- und Palmenzweige schon für die Amts-Siegel der Behörden beschrieben werden. Die prächtige Darstellung, mit den sich zwischen den Beinen der Löwen schlängelnden Blättern, war ganz im Stil des damaligen Zeitgeschmacks. Es war die Zeit des Historismus, der sehr schmuckvoll und aus heutiger Sicht oft auch etwas überladen war. Zu damaliger Zeit war aber das Rokoko wieder modern und die Verzierungen waren dementsprechend ausladend. Zudem steht Lorbeer in der Heraldik für Glück, Heil und Ruhm8, es war also eine sehr passende Verzierung für das Wappen.

Das große bayerische Wappen der M1886-Helme besticht, wie es aber auch für die anderen Pickelhauben-Wappen gilt, durch seine künstlerische Gestaltung und den sehr hohen Detailgrad. Es wurde mit großer Sorgfalt hergestellt und ist wirklich ein schönes Helm-Emblem. Den Vergleich mit den Helm-Emblemen der anderen deutschen Staaten brauchte es jedenfalls nicht mehr zu scheuen.


(von Sandy Michael Heinemann)

Quellenverzeichnis:

  1.  Fortgesetzte Sammlung der im Gebiete der inneren Staats-Verwaltung des königreichs Bayern bestehenden Verordnungen von 1835-1852
  2. Verordnungs-Blatt des königlich bayerischen Kriegsministeriums (1856), Nr. 12/1856
  3. Verordnungs-Blatt des königlich bayerischen Kriegsministeriums (1873), Nr. 44/1873
  4. Neue Würzburger Zeitung Nr. 315, 70. Jahrgang (1873), Seite 87
  5. J. Siebmachers grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung A und B - von Johann Siebmacher (1890), Seite 672
  6. J. Siebmachers großes und allgemeines Wappenbuch, Band 1, 1. Abteilung: „Außerdeutsche Staatenwappen“ - von Dr. Otto Titan von Hefner (1856)
  7. Pierers Konversations-Lexikon, Band 2 - von Joseph Kürschner (1889), Seite 621
  8. Die Symbolik und Mythologie der Natur, von J. B. Friedreich (1859), Seite 299


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